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Ich wäre gerne dabei gewesen – heute ist das erste Pfingsten: Predigt über Apostelgeschichte 2, 1-21

| Falk Schöller |

Schade, dass ich damals nicht dabei war.
An diesem ersten Pfingstfest.
Ich hätte das gerne erlebt.
Alle, die zu Jesus gehörten, sind zusammengekommen. Da gehöre ich auch dazu.
Ich bin dabei. Damals. Und heute.
Ein spanischer Maler war dabei. Mit einem Pinselstrich.
Er malt Menschen aus seiner Umgebung. Menschen, die er kennt.
Er zeichnet ihre Körper, ihre Kleidung, ihre Gesichter.
Er malt, was er sieht.
Und dann malt er, was er glaubt.
Jede und jeder bekommt auf seinen Kopf eine Flamme.
Allen, geht ein Licht auf.
Jede und jeder ist befeuert, oben, auf den Haaren,
aber niemand verbrennt, sondern alle brennen:
die Gesichter strahlen vor Freude,
die Herzen sind fröhlich,
das Miteinander selbstverständlich.
Alle verstehen sich.
Wer so malt, muss damals dabei gewesen sein.
In Jerusalem, der besetzen Stadt,
in Jerusalem, der Multikultistadt.
Aus aller Herren Länder sind sie gekommen,
viele geblieben, sie sprachen nicht eine Sprache,
hatten nicht einen Geist, nicht einen Glauben.
Nichts, gar nicht, hat sie miteinander verbunden,
außer dass sie zur selben Zeit am selben Ort waren.
Und dann geschieht das Außergewöhnliche:
Sie haben eine Sprache, einen Geist, einen Glauben.
Sie verstehen einander. Sie träumen gemeinsam. Sie hoffen gemeinsam.
Weil Gottes Geist unter sie gefahren ist.
Schade, dass ich damals nicht dabei war.
Welch ein Glück, dass der spanische Maler dabei war.
Was aber, ihr Lieben, unterscheidet mich von dem spanischen Maler?
Der Maler hat eine Vorstellungskraft. Der stellt sich vor, wie das wäre.
Wenn das Pfingstfest heute wäre.
Und er stellt sich vor, wie das wäre:
Wie es seine Mitmenschen auszeichnen würde,
wie sie verändert wären,
weil der Heilige Geist auf sie und über sie gekommen ist,
wie auf einmal eine lebendige Flamme über jeder und jedem lodert,
die Menschen so begeistert,
dass alles Schwere und Mühselige verflogen ist,
alles Trennende und Verletzende und Zersetzende keine Rolle mehr spielt,
alles Hässliche und aller Hass verschwunden wären, einfach so.
Und alles und alle nur noch strahlen.
Der Heilige Geist – seine weiche Kraft macht ihn so stark.
Der Maler tunkt seinen Pinsel wieder in die Farbe. Und zeichnet das Wirken des Heiligen Geistes auf die Gesichter der Menschen, die er vor Augen hat.
Auf das Gesicht seines Nachbarn. Der neben ihm wohnt.
Auf das Gesicht der Nachbarin. Die ihn im Laden bedient.
Auf das Gesicht der Lehrerin. Die ihn unterrichtet hat.
Auf das Gesicht des Polizisten. Der ihn letztens angehalten hat.
Der Maler tunkt seinen Pinsel wieder in die Farbe. Und zeichnet das Wirken des Heiligen Geistes. Nun aber zeichnet er dich. Das bist doch du. Es ist dein Körper. Deine Kleidung. Dein Gesicht. Das kannst doch nicht du sein. So viel Tatkraft und Lebensmut, so viel Liebe und Anmut, so viel Lachen und Freude! Das spürst du doch nicht.
Du nicht. Aber der Maler spürt es. Er zeichnet das, was wirklich ist, auch wenn du es nicht siehst.
Und er malt weiter. Immer weiter. Sein Bild ist niemals fertig. Denn Gottes Geist ist niemals fertig. Nicht mit der Welt, nicht mit den Menschen. Und so malt der Maler weiter. Bis heute.
Und weil er nicht gestorben ist, leben wir auch heute.
Mit Gottes Geist. Und einer Flamme auf dem Kopf.
Jetzt sehe ich sie.
Gottes Geist, höher als all unsere Vernunft,
begeistert unsere Herzen und Sinne.
In Jesus Christus. Unserem Herrn.
Amen!