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Morgenimpuls 30.11.2020

„Ich möchte in einer Kultur der Stille leben, in der es vor allem darum ginge, die eigene Stimme zu finden.“ So schreibt es Peter Bieri in seiner Sammlung von Vorträgen „Wie wollen wir leben?“ 2011.

Diese Kultur der Stille ist nun eine aufgezwungene, angeordnete, von außen über uns gekommene. Wir sollten sie nutzen. „Wenn dein Kind dich morgen fragt“ (5. Mose 6,20), nach dem, was uns wirklich wichtig ist. Was ist stimmig für uns, was tragen wir selbst-be-stimmt weiter?

Wir könnten erzählen, wo uns das Licht des Advents aufgeht und uns leuchtet, und es zuerst uns selbst sagen. Aber wir dürfen auch still sein, innehalten, hören, was unser Mitmensch uns zu sagen hat. Wir könnten dieses Jahr des stilleren Advents nutzen, uns miteinander auf das Wesentliche zu konzentrieren: „Eine Religion ist ein Vorschlag zum Umgang mit Erfahrungen, die unsere Kräfte zu übersteigen drohen.“ (Bieri). Woran bin ich, woran bist du rückgebunden – das würde die Kultur verändern, auch in unseren beruflichen Kontakten.

Durch diese Woche begleiten uns Verse des Adventslieds von Jan Willem Schule Nordholt, übertragen von Jürgen Henkys. Lauschen wir heute einmal auf die Stille:

„Das Volk, das noch im Finstern wandelt –

bald sieht es Licht, ein großes Licht.

Heb in den Himmel dein Gesicht

und steh und lausche, weil Gott handelt.“ (EG 20,1)

Gesegnet dieser adventliche Tag.

Morgenimpuls 29.11.2020

„Siehe, Altes ist im Vergehen.“ Der November erinnert uns, dass wir unser Leben abschiedlich führen sollten. „Haben, als hätte man nicht“, doch so leicht ist es nicht.

In den Steillagen der Mosel werden die gelben Blätter entfernt. Ein Rebenjahr ist vorüber, jetzt reift der Wein. Doch obwohl die Frucht geerntet ist, gibt es weiterhin Arbeit. Mit welchen Gedanken die Winzer wohl in diesen Tagen im Weinberg stehen? Wovon mussten Sie sich in diesem Jahr verabschieden, was bisher zu ihrem Jahreslauf dazu gehört hat?
Niemand sollte leichtfertig abtun, was schmerzlich vermisst wird. Es ist gut, wenn wir im Blick haben, wovon wir und unsere Mitmenschen sich verabschieden müssen und welche Schmerzen dies ober- und unterflächlich mit sich bringt. Wenn wir als Christen hierzu eine Haltung entwickeln, leisten wir einen Dienst – und strahlen aus: in das vom Abschied gezeichnete Leben anderer hinein.
Friedrich Hölderlin hat uns hierzu einen Weg gewiesen, im Stammbuchblatt für einen Unbekannten, aus dem Jahr 1789.
„Es erschreckt uns, / Unser Retter, der Tod. Sanft kommt er / Leis im Gewölke des Schlafs, / Aber er bleibt fürchterlich, und wir sehen nur / Nieder ins Grab, ob er gleich uns zur Vollendung / führt aus Hüllen der Nacht hinüber / in der Erkenntnisse Land.“
Wo wir den Schmerz anderer teilen, teilen wir unsere Hoffnung. Leise und sanft – und darin offenbart sich der, der uns rettet und trägt. Im Leben und im Sterben – und im Abschied.
Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach, Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen, das Heil, für das du uns geschaffen hast.
Gesegnet sei dieser neue Tag.

Morgenimpuls 28.11.2020

„Siehe, Altes ist im Vergehen, Neues noch im Werden.“ (2. Kor. 5,17) In Christus sind wir schon neu geworden, so die Zusage. Doch wir leben mitten in der Vergänglichkeit. Im November richtet sich unser Blick auf das, was für uns vergangen und endgültig vorbei ist. Sind wir schon versöhnt mit dem, wovon wir Abschied nehmen mussten? Haben wir die Menschen, von denen wir uns verabschieden müssen, wirklich gut verabschiedet, auf dass wir unseren Frieden finden können? In unternehmerischer Verantwortung verabschieden wir uns ja auch von Menschen, die für uns und mit uns gearbeitet haben. Wie steht es um unsere Abschiedskultur? Eduard Sprangers Gedanken aus dem Jahr 1945 lohnen zum Nach-Denken: „Der irdische Tod wird für den, der in der Liebe Gottes lebt, nicht aufgehoben, und was etwa auf den Tod folgt, wird nicht offenbart. Wir haben nichts als die Verheißung, dass die Liebe ewiglich währt. (…) Wir habe einen Schlüssel empfangen. (…) Wir existieren nur in der Hoffnung, dass der Tod nicht in das Nichts hineinführt, sondern dass er gerade die Pforte ist, durch die wir in Gottes Herrlichkeit eingehen.“ Wie prägt unsere Hoffnung im Glauben die Kultur unserer Abschiede?
Gott sei mit uns, am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Gesegnet sei dieser neue Tag.