Zum Hauptinhalt springen

Impuls: Liebt den Teufel zu Tode!

| Falk Schöller |

Feierabend komm! 20. Februar 2026

Manchmal denke ich: du bist für mich gestorben.

Manchmal sage ich das auch, rate das sogar. Zu denken und zu sagen:

Du bist für mich gestorben.

Dann denke ich an die kleinen und großen Teufel, die mir das Leben schwer machen, die mich des Tags verfolgen, mit Anrufen, Mails, Briefen, die in Sitzungen sind, in denen ich dann nicht sein will, die dort sind, wo ich sie nicht haben will. Und sie verfolgen mich auch des Nachts, in meinen Träumen. Sie verhindern kühne Träume vom Leben, die freie Entfaltung der Gedanken. Sie fesseln mich auch des Nachts, lassen mich nicht zur Ruhe kommen und nicht wieder zur Ruhe finden. Sie treiben mir den Schweiß auf die Stirn, dabei läuft es mir doch eiskalt den Rücken runter, wenn ich nur an die denke.

Manchmal denke ich: du bist für mich gestorben. Manchmal sage ich das auch, rate das sogar. Zu denken und zu sagen: Du bist für mich gestorben.

Oft aber verbiete ich mir solche Gedanken, solche Finsternis in meinem Kopf, meinem Herz, meinem Mund. Doch diese dunkle Macht steckt mir in allen Gliedern, da kann ich einfach nicht aus meiner Haut.

„Kinder, lasst euch von niemand verführen!“

Ich habe einen Brief bekommen, nicht ich allein, sondern wir. Ein offener Brief, gedacht, dass wir ihn miteinander lesen und hören. Wenn es heute offene Briefe gibt, sind es oft intrigante Schreiben. Es geht nicht um eine Botschaft an den Betroffenen, sondern um eine Nachricht über den Betroffenen. Das ist eigentlich unanständig – aber manches Mal wohl notwendig, weil sich der Teufel nicht anders besiegen lässt. „Weiche zurück, Satan!“, so klingt es in scharfem Ton.

„Kinder, lasst euch von niemand verführen!“

Doch dieser Ton ist nicht scharf. Es ist eher weich, seelsorglich, will meine Seele streicheln. „Wer aus Gott geboren ist, tut keine Sünde.“ Das ist, so höre ich es, ein Zuspruch. Weil der Teufel bereits am Ende ist – auch der Teufel in einem selber. 

Es geht um eine neue Wirklichkeit, in der ich lebe. In einer Wirklichkeit, in der der Teufel für mich schon gestorben ist. Der Teufel, der mir aber in meiner realen Welt immer und immer wieder begegnet. Und auch der kleine Teufel, in mir drin. Auch dieser Teufel ist für mich schon gestorben.

Dass am Aschermittwoch alles vorbei ist, ist also nicht wirklich, und dennoch wahr. Es ist wahr, weil es für die Menschen, die aus Gott geboren sind, wahrhaftig so ist. Aber es ist nicht wirklich, weil im Alltag immer und immer wieder die kleinen und großen Teufel zu besiegen sind.  „Du bist für mich gestorben!“, das wäre also eine Aufforderung, die ich immer und immer wieder sagen muss, solange ich lebe. Sagen zu dem, was das Leben schwer macht und die Seele verfinstert. Zu dem, was und wer immer es ist. Manches Mal auch ich selber.

„Liebt euch untereinander!“, das ist leicht gedacht und schön gesagt, das ist noch nicht vollbracht. Gesagt, getan, heute fangen wir an.

Mit dem Aschekreuz auf der Stirn, für manche noch gar nicht so lange her. Mit dem Kreuzzeichen der Taufe auf der Stirn, für manche schon lange her. Auf jeden Fall: ans Kreuz wurden mit Jesus all die Teufel geschlagen, die uns das Leben schwer machen. Auf dass wir dann neu leben und neu lieben können.

 „Liebt euch untereinander!“, das ist leicht gedacht und schön gesagt, das ist noch nicht vollbracht. Gesagt, getan, heute fangen wir an. Wohlauf, wohlan. Zu diesem Gang. Von nun an, jederzeit. Amen.

Was leicht gedacht 

Text: Wilhelm Willms – Musik: Hans-Jörg Böckeler

Segen

nach diesem Winter

erste Amseln

die Stimme Gottes

zwitschert in höchsten Tönen

unter schmutzigen Schnee

hebt sich die Erde

Maulwurfshügel

Gebirgslandschaften

rauf runter

seit Tagen träumt 

der Himmel wieder grün

die Welt hat genug gefroren