Morgenimpuls 29.11.2020

| Falk Schöller |

„Siehe, Altes ist im Vergehen.“ Der November erinnert uns, dass wir unser Leben abschiedlich führen sollten. „Haben, als hätte man nicht“, doch so leicht ist es nicht.

In den Steillagen der Mosel werden die gelben Blätter entfernt. Ein Rebenjahr ist vorüber, jetzt reift der Wein. Doch obwohl die Frucht geerntet ist, gibt es weiterhin Arbeit. Mit welchen Gedanken die Winzer wohl in diesen Tagen im Weinberg stehen? Wovon mussten Sie sich in diesem Jahr verabschieden, was bisher zu ihrem Jahreslauf dazu gehört hat?
Niemand sollte leichtfertig abtun, was schmerzlich vermisst wird. Es ist gut, wenn wir im Blick haben, wovon wir und unsere Mitmenschen sich verabschieden müssen und welche Schmerzen dies ober- und unterflächlich mit sich bringt. Wenn wir als Christen hierzu eine Haltung entwickeln, leisten wir einen Dienst – und strahlen aus: in das vom Abschied gezeichnete Leben anderer hinein.
Friedrich Hölderlin hat uns hierzu einen Weg gewiesen, im Stammbuchblatt für einen Unbekannten, aus dem Jahr 1789.
„Es erschreckt uns, / Unser Retter, der Tod. Sanft kommt er / Leis im Gewölke des Schlafs, / Aber er bleibt fürchterlich, und wir sehen nur / Nieder ins Grab, ob er gleich uns zur Vollendung / führt aus Hüllen der Nacht hinüber / in der Erkenntnisse Land.“
Wo wir den Schmerz anderer teilen, teilen wir unsere Hoffnung. Leise und sanft – und darin offenbart sich der, der uns rettet und trägt. Im Leben und im Sterben – und im Abschied.
Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach, Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen, das Heil, für das du uns geschaffen hast.
Gesegnet sei dieser neue Tag.


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