Predigt zur Eröffnung der Allianz-Gebetswoche Krefeld 2026
Citykirchenpfarrer Falk Schöller, Pauluskirche, 11. Januar 2026
Ihr Lieben, Schwestern und Brüder in Christus, unserem Herrn!
Woran erkenne ich eigentlich, dass Gott treu ist, dass Gott mir treu ist?
Darum wird es gleich gehen. Um eine Spurensuche nach einem treuen, zuverlässigen, zugewandten Gott, der mir, meinen Mitmenschen, meiner Gemeinde, meiner Kirche, meiner Stadt, meiner Welt, meiner Zeit die Treue hält. Wir sind gleich wie Detektive, die Spuren suchen und Spuren lesen, Gottes Spuren in unserem Leben. Ich hoffe, wir werden gute und erfolgreiche Detektive sein!
Wir sind beileibe nicht die Ersten, die solche Spurensuche betreiben. Seit Jahrtausenden gibt es Expertinnen und Experten. Und das Beste: was sie herausgefunden haben, das haben sie uns aufgeschrieben, mehr noch, sogar, wie wir bei der Spurensuche vorgehen sollen.
Wir fangen also nicht bei Adam und Eva an – Gott sei Dank.
Wir fangen an bei Menschen, die uns das Ergebnis ihrer Suche in ein Stammbuch geschrieben haben – zum fröhlichen Gebrauch.
Hören wir aus dem Stammbuch der Bibel, aus den Psalmen, ihre Entdeckungen. Ihre Spuren präsentieren sie allerdings – Achtung! – nicht uns, sondern Gott selber. Denn Gott beauftragt Menschen mit der Spurensuche nach ihm – und hört gerne auch von den Entdeckungen und Erkundungen. So heißt es im 119. Psalm, der diese Entdeckung von A bis Z durchbuchstabiert, 8 Antworten pro Buchstabe, bei 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets also 22 mal 8, also in 176 Versen, wie folgt:
HERR, dein Wort bleibt ewiglich, so weit der Himmel reicht;
deine Wahrheit währet für und für.
Du hast die Erde fest gegründet, und sie bleibt stehen.
Welch eine Antwort, Ihr Lieben! Und das in diesen Tagen, wo nicht mehr klar ist, ob man sich noch auf Absprachen, Regeln, Vereinbarungen, Grenzen verlassen kann. Wo nicht klar ist, was wir als Menschen alles ins Wanken bringen können. Jetzt dieses klare und eindeutige Ergebnis: Herr, dein Wort bleibt ewiglich. So weit der Himmel reicht. Herr, du bleibst wahrhaftig, für und für, immer und immer wieder. Herr, du hast die Erde fest gegründet, sie bleibt stehen. Wir schaffen es nicht, die Erde zu zerstören und die Fundamente ins Wanken zu bringen.
Das ist ein uraltes Bekenntnis, eine uralte Gewissheit, eine uralte Einsicht: Gott hat uns sein Wort gegeben: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Diese Spurensuche richtet sich auf das, was vor Augen liegt, vor aller Augen liegt. Was fest bleibt trotz allem, was ins Wanken gerät, ins Rutschen gekommen ist. Das ist ein guter, ein wunderbarer Ausgangspunkt. Dass wir auf der Erde leben, die Gott geschaffen hat, ist schon das erste Ergebnis unserer Spurensuche nach Gottes Treue. „Ich glaube an Gott den Schöpfer des Himmels und der Erden.“
Aber das ist ja das Sichtbare und Greifbare, das Augenscheinliche. Ich würde gerne noch einen Schritt weiter mit euch gehen, liebe Schwestern und Brüder. Mit euch nach dem suchen, was nicht äuglich, sondern herzlich ist, was nicht so offensichtlich und begreifbar ist. Mit euch als evangelisches Detektivteam Krefelds nachsuchen, forschen und entdecken. Wir wiederholen nicht einfach die alten Antworten anderer, sondern suchen nach neuen Antworten von uns heute.
Woran erkenne ich, dass Gott treu ist, mir treu ist? Woran erkennen wir, dass Gott treu, uns treu ist? Uns als evangelischen Christinnen und Christen in Krefeld? Was sind Gottes Spuren in unserem Leben, in unserem Miteinander, in unserer Arbeit?
Wir werden nachher noch drei beeindruckende Ergebnisse solcher Spurensuche hören: aus der Arbeit mit jungen Menschen, aus der Arbeit mit kranken Menschen, aus der Arbeit mit alten Menschen. Wir haben drei Spurensucherinnen und Spurensucher gefragt, sie werden nachher berichten – ich bin sehr gespannt. Doch zu ihnen später. Jetzt zu uns.
Aber: Halt! Noch eines vorab. Es geht heute einmal nicht um unsere Treue, um unsere Treueschwüre. Die oft auf tönernen Füßen stehen. Die deswegen auch schwach sind, weil wir schwache, fehlbare Menschen sind: „Wir sind allzumal Sünder.“ Es geht nicht um menschliche Treue, es geht präzise um Gottes Treue. Wo erlebe ich verbindlich und verbindend, verlässlich und tragfähig, dass Gott mir treu ist?
Die Antwort: Wir finden den wichtigsten Hinweis in seinem Wort. Ja – aber: wann habe ich Gottes Wort als Zusage zu seiner Treue mir gegenüber gehört?
„Ich taufe dich auf den Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Damit sind wir, so sagt es Paulus, mit Christus begraben und mit ihm auferstanden. Wir haben Christus angezogen. Wir stecken also im Anzug Jesu. Du hast jetzt seinen Namen: Christus ist bei, mit, in dir. Die Suche nach Gottes Treue beginnt bei, mit, in dir – und bei, mit in der Taufe.
Die Spurensuche nach Gottes Treue beginnt bei uns. Bei der Frage, ob wir es eigentlich richtig verstanden haben, was es heißt, getauft zu sein. Unser Leben und Sterben ist durch die Taufe untrennbar mit Gott verbunden. „Wir müssen täglich in unsere Taufe hineinkriechen“, so hat es Martin Luther uns für unsere Spurensuche aufgegeben. Gottes Treue findet sich, indem wir verstehen und ausleuchten, was es heißt, getauft zu sein. In der Taufe kommen Wort und Zeichen zusammen, Gottes Zusage „du bist mein“ wird mit Wasser bekräftigt, wie ein Hineintauchen in den Tod und ein Auftauchen in die Auferstehung, das ewige Leben. Jetzt schon gestorben, jetzt schon auferstanden. Wer sich auf diese Spurensuche macht, der findet gewiss nicht nur Spurenelemente, homöopathische Dosen, sondern der findet den ganzen Menschen. Ein ganzer Mensch, dank – der Taufe! In der Taufe wird aufgedeckt, was ich als Mensch in Wahrheit bin: Gottes Eigentum. Und deutlich ist: Gott erhebt seinen Besitzanspruch auf mich! Er macht mir deutlich: Weil ich dich getauft habe, ist ein für alle mal klar: Du gehörst zu mir, mein Name ist an deiner Lebenstür. Du bist ein Christ, weil ich, Gott, es so will. Und deine Aufgabe wird nur, ein Leben lang, sein, dein Christsein zu entdecken und zu entfalten.
Wir sollten das ernst nehmen, liebe Geschwister im Glauben. Menschen zu taufen ist die erste missionarische Kernaufgabe. Und dann: Getaufte Menschen in der Spurensuche zu begleiten, was es denn heißt, getauft zu sein, ist die zweite missionarische Kernaufgabe. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“ „Ich will euch tragen, bis ins hohe Alter, bis ihr grau seid. Ich habe es getan und ich werde es tun. Ich will heben und tragen und erretten.“ „Wer Ohren hat zu hören, der höre.“
Wenn wir so neu und immer wieder uns auf die Spurensuche nach Gottes Treue machen, werden wir neu und immer wieder bei der Taufe landen. Jeder Sonntag ist eine Tauferinnerung. Denn an jedem Sonntag, an jedem Beginn der neuen Woche, feiern wir Gottes heiligen Tag. Den Tag, an dem er selber den Tod durchschritten hat und aus dem Tod auferstanden ist – da geht uns Gottes Sonne auf, Sonntag. Jeder Sonntag ist ein Tag für uns, ein Tauffeiertag.
Wir werden diese Tauffeiertage in den Gemeinden sehr unterschiedlich leben und gestalten. Aber eines verbindet uns als Christenmenschen: Die Spurensuche nach Gottes Treue führt immer und immer wieder zur Taufe. „Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen.“ – anders gefasst: „Ich glaube an die Gemeinschaft der Getauften.“ Das ist unser gemeinsames Bekenntnis. Und es ist wahrlich eine große Aufgabe, die Spuren, die die Taufe hinterlässt, freizulegen, die Kraft, die aus der Taufe kommt, freizusetzen.
Weil aber diese Taufe ein Ereignis ist, dass leider scheinbar immer weiter wegrückt, je länger die Taufe her ist, hat Jesus selbst uns noch eine zweite Spur seiner Treue gelegt. Gott arbeitet gewissermaßen gegen unsere menschliche Vergesslichkeit, gegen die Taufdemenz!
Es gibt eine zweite Spur – in unserem Leben als Einzelne und in unserem Leben als Gemeinde. Es gibt noch eine zweite Spur hin zu Gottes Treue. Wieder haben wir ein Wort, sein Wort, wieder haben wir ein Zeichen, sein Zeichen. „Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, als Menschen ihn verraten haben, hat uns seine Treue gezeigt: Er nahm das Brot. Er nahm den Kelch. Mein Bund, meine Treue. „Mein Leib – für dich gegeben. Mein Blut – für dich gegeben. Seht. Schmeckt. Freundlich ist Gott zu euch.“
Jedes Abendmahl ist ein sichtbares, schmackhaftes, fühlbares Zeichen von Gottes Treue. Es ist Jesu Wort und Zeichen an seine Jüngerinnen und Jünger, es ist unsere Wortfindung und Zeichenhandlung, die uns verbindet. Miteinander als Christinnen und Christen, vor allem aber mit Christus. Wer das Abendmahl empfängt, mit dem verbindet sich Christus untrennbar.
Gott legt im Abendmahl seine Spur in unser Leben, immer wieder neu. Das ist eine gute Nachricht: Wir dürfen immer wieder uns vergewissern, dass Gott uns treu ist, wenn wir ein Stück Brot und ein Schluck Wein mit seinen Worten zusammenbringen. Wir suchen nicht nur Spuren, wir legen sie selber!
Während die Taufe das Einmalige ist, die unüberbietbare Zusage Gottes, dass ich von nun an Gottes sichtbare Spur in dieser Welt bin, ist das Abendmahl das mehrmalige, wiederholbare Zeichen: es ist wirklich wahr! Gott hat seinen Bund mit mir geschlossen, Jesus ist für mich gestorben und für mich auferstanden. Das gilt, heute und alle Tage, hier und überall. So weit der Himmel reicht, der wahrlich unseren Horizont überschreitet. Jesus geht mit uns, neben uns – manchmal trägt er uns sogar. Im Sand könnten wir mal zwei, mal eine Spur sehen, immer aber ist Gott mit uns.
Wir haben nun die entscheidenden Spuren gelegt, damit wir als Kirchen und Gemeinden, als Christinnen und Christen verschiedener Glaubensrichtung uns auf die eine gemeinsame, verbindende Spurensuche nach Gottes Treue machen. Diese Spuren Gottes in unserem Leben tragen uns auch in und durch Krisen. Diese gab es, diese gibt es. Für Einzelne und für Gemeinden.
‚Den glimmenden Docht wird Gott nicht verlöschen, das geknickte Rohr wird er nicht brechen.‘ Für mich ist das ein Trostwort. Es hilft mir auf, wenn mir begegnet, dass ein einstmals helles Feuer in Gemeinden fast erloschen scheint. Es gibt Hoffnung, wenn einstmals gefestigte Menschen wahrlich geknickt sind. Ein Trostwort, nicht aufzugeben, nichts und niemanden aufzugeben. Ein Trostwort, das uns auch gerade dorthin weist, wo nur noch wenig Lebenswille vorhanden und wenig Lebenskraft zu spüren ist. Ein Trostwort, das uns auch zu den Geknickten und Gebrochenen führt.
„Kirche ist immer Kirche für andere“ – hat Dietrich Bonhoeffer dies auf den Punkt gebracht. Und wir hören gleich einmal, wie dies konkret wird. Bei jungen Menschen, die in diesen bedrohlichen Zeiten ihren Platz im Leben finden müssen. In der Klinik, wo das menschliche Leben von Krankheit bedroht ist. Bei alten Menschen, denen der Tod vor Augen steht und die sich nicht mehr auf die eigene Kraft verlassen können. All das gleich, ich bin gespannt auf Antje Wenzel-Kassmer, auf Christiane Kimpfel, auf Jörg Lauterbach.
Doch davor, zum Abschluss, die Zusage, dass Gott uns treu ist!
Der Friede Gottes ist höher als alle menschliche Vernunft.
Gott begleitet uns, unsere Herzen und Sinne, ein Leben lang,
in Jesus Christus, unserem Herrn,
in Jesus Christus, dem Herrn der Welt und dem Herrn unseres Lebens.
Gott ist treu.
Das ist wahrhaftig wahr.
Amen.


