Ewig leben? Hab ich schon!
Feierabend komm! 27.03.2026
Begrüßung und Votum
Habt ihr dieses Licht gesehen?
Irgendwann einmal?
Dieses helle Licht, wo die Lebenstreppe in den Himmel übergeht, wo der Tunnel zu Ende ist, am Morgen nach einer furchtbaren Nacht?
Habt ihr dieses Licht gesehen?
Dieser Satz war auch einmal in einer Kirche zu hören,
als das Licht auf eine dunkle Gestalt fiel, auf Jake Blues, gespielt von John Belushi,
der gerade erst nach den Tagen im Gefängnis die Freiheit gewonnen hatte.
Sehen wir heute dieses Licht, auch?
Ich hoffe es.
Wir hören aber heute auf jedem Fall von diesem Licht.
Und wir riechen es.
Licht riechen?
Jetzt spinnt er?
Oder ist verrückt.
Ja, das gebe ich gerne zu.
Sonst könnte ich nicht glauben.
Und so vertrauen wir, dass wir diesen Feierabend miteinander feiern.
Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes.
Amen.
Schriftlesung – zwei Frauengeschichten
(1)
Und ich erzähle, wie er in Bethanien im Haus Simons, des Aussätzigen, war.
Er saß bei Tisch, und eine Frau mit einem Salbölfläschchen kam zu ihm,
das gefüllt war mit reiner Narde und kostbarem Öl,
und öffnete das Fläschchen und goss es über ihn aus.
Doch viele, die mit Jesus am Tish saßen, ärgerten sich:
Das kostbare Öl! Welche Verschwendung!
Dreihundert Dinare könnte es wert sein: was für eine Gelegenheit zum Verkauf.
Dreihundert Dinare für das Wohl armer Leute – vergeudet!
Und die wurden unwillig und murrten.
Aber Jesus sagte zu ihnen:
„Lasst die in Frieden: Sie hat mir Gutes getan.
Bettlern und armen Leuten könnt ihr helfen, wann ihr nur wollt,
denn ihr habt sie immer bei euch, mich aber nicht.
Diese Frau hat, vor der Zeit, getan, was getan werden musste,
denn das Öl, das sie über mich goss, ist das Salböl des Todes.
Ich sage euch, und das ist wahr:
Überall wird die Botschaft verkündet werden: Er ist gestorben,
und in aller Welt wird man erzählen, was sie getan hat
und wird ihrer gedenken.
(2)
Und ich erzähle:
Als der Sabbath vergangen war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Jakobus‘ Mutter war, und Salome
duftendes Öl und kostbaren Balsam,
um zum Grab zu gehen und den Toten zu salben.
Es war sehr früh, noch Dämmerung, der erste Wochentag.
Als sie das Grab erreichten, ging die Sonne auf.
Sie dachten voller Sorge, wer den Stein wegwälzen könne, an ihrer Statt:
‚Wer wird stark genug sein?‘
Und sie schauten empor und sahen,
dass der Stein, ein gewaltiger Felsbrocken,
schon fortgewälzt worden war,
und sie gingen hinein und sahen in der Grabeshöhle, zur Rechten,
eine Gestalt sitzen, sehr jung, bekleidet mit einem langen Mantel,
der hell war wie Schnee:
und die Frauen erschraken und fürchteten sich.
Er aber – ein Jüngling? Ein himmlischer Bote? – sagte zu ihnen:
„Habt keine Furcht!
Ihr, die ihr Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten, sucht:
Er ist auferweckt worden.
Schaut – hier! – den Ort an, wo sie ihn hingelegt haben:
Er ist fort.
Rasch, darum! Sagt seinen Schülern und Petrus:
‚Er geht euch voran nach Galiläa.
Dort seht ihr ihn wieder, wie er’s euch versprochen hat.“
Und sie gingen hinaus, liefen so schnell sie konnten,
fort! fort vom Grab!
Und zitterten und waren außer sich vor Angst,
und sagten niemandem ein Wort, denn sie fürchteten sich.
Lied: Wir stehen im Morgen, LHE 416
Impuls: Ewiges Leben? Hab ich schon!
Ihr Lieben,
habe ich euch eigentlich schon einmal gebeichtet, dass ich ein Feminist bin. Vielleicht nicht immer offensichtlich. Aber mal ehrlich: wer die Evangelien liest, kann doch eigentlich gar nicht anders. Denn diese Frauen, von denen zum Beispiel heute erzählt wird, sind so sympathisch, so herzerfrischend, so besonders, die muss man, mit einem oder zwei n, doch einfach ins Herz schließen. Nach einer dieser vier Frauen haben wir sogar eine unserer Töchter genannt, Salome. Vielleicht hätten wir sie auch nach einer anderen genannt. Aber Maria, das wäre für einen evangelischen Pfarrer vielleicht doch schwierig geworden. Und außer zwei Mal Maria und einmal Salome war nur einmal n.n., nomen nescio, den Namen kenne ich nicht, im Angebot.
Aber was ist denn das für eine besondere Frauengestalt?
Diese Frau hat den Durchblick. Sie sieht mehr und tiefer und weiter, als wir das jemals ahnen könnten. Sie ist hellsichtig, sie hat dieses Licht gesehen – und gibt dafür ein Vermögen aus.
Eine Flache Nardenöl, aus Alabaster. In Särge aus Alabaster hat man Könige und Pharaonen gelegt, mit Nardenöl Menschen gesalbt, die dann an Gottes statt die Welt regiert haben. Ein Vermögen, das Fläschchen kostet einen ganzen Jahreslohn eines Arbeiters, brutto so etwa 50.000 €. Und das gießt sie über ihn, den vermutlich ungewaschenen, verschwitzen Jesus, der mit seinen Jüngern bei Simon, dem Aussätzigen saß, einem, der mit dieser Krankheit nicht arbeiten durfte und keine Freunde hatte. Ich stelle mir diese Männerrunde als einen armseligen und lausigen Abend vor – ihr wisst schon.
Auf jeden Fall tritt in die düstere Stimmung – wir sind schließlich schon in der Passionszeit – diese unbenannte Frau. Sie öffnet ihr Täschchen, darin das Fläschchen mit dem teuren Wässerchen – und über Jesus ausgegossen. Ganz schön pomadig, denke ich – und tatsächlich erhebt sich der Sturm der Entrüstung. Liebe Männer, es geht euch aber nur ums Geld. Um das hier und jetzt. Um die Armen – ob die armen Schüler Jesu, alle ja irgendwie arbeitslos und obdachlos da nicht an sich selber denken? Ein Schelm….
Die Frau aber hat den Durchblick – und ist auf jeden Fall eine Stimmungskanone. Denn jetzt geht es ab. Sie schießt mit ihrer Aktion über das Ziel hinaus – über das Ziel des Evangeliums auf jeden Fall. Denn die Zielgeschichte, den Schlussstein des Markusevangeliums habe ich ja als zweiten Teil mitgebracht. Diese Frau sieht vor der Kreuzigung schon auf Ostern, von der Erde schon in den Himmel, durch den Tod hindurch ins Leben. Und so ist die Alabasterflasche ein Hinweis auf den Königssarg, in dem Jesus bald liegt, und das Nardenöl ein Hinweis auf die Krönungsmesse, die für Jesus in Gottes Reicht gelesen wird, wenn er von den Toten auferweckt und in den Himmel gefahren ist. Diese Frau ist so unendlich weise, sie weiß mehr über das, was kommen wird als das Evangelium, dass dieses Ende offen lässt.
Für uns ist die Frage, ob wir auch so hellsichtig, so weitblickend, so hoffnungsvoll sind wie diese Frau, die sich für nichts zu schade war und der nichts zu teuer war. Nur so konnte sie vor Karfreitag schon den Ostersonntag vorwegnehmen.
Verstehen kann das nur, wer nicht auf den Spuren der Männer bleibt, sondern sich mit den Frauen auf die Spurensuche macht. Und aus dieser Perspektive Hoffnungskraft gewinnt. Zumindest gilt das für die Frau, die keinen Namen hat. Sie lässt Platz für unseren Namen – und, ganz modern, können das auch weiblich gelesene Personen sein, selbst wenn sie biologisch Männer sind. Ich glaube, das ist Gott herzlich egal.
Nicht egal ist aber, was die beiden Marias und die eine Salome da so veranstalten. Denn die sagen es ja nicht weiter. Vielleicht ist das ja genau der Hinweis, wie man etwas möglichst breit weiter erzählt und verbreitet. „Es ist ein Geheimnis. Sag es nicht weiter!“
Und dann verbreitet sich die Botschaft wie ein Lauffeuer durch die Geschichte. Und bleibt lebendig. Mehr noch. Sie macht lebendig. Noch vor dem Tod schon das Leben.
Um in Anlehnung an einen aktuell oft geteilten Chuck-Norris-Witz zu schließen: Der Tod hatte eine Jesus Christus Erfahrung. Die können wir gerne teilen. Amen.



