Predigt Christmette: In das Weihnachtswunder von Eintauchen damals
Nicht irgendwo im Zentrum der Welt, nicht mit irgendwelchen Mächtigen, Einflussreichen, Wohlgeborenen und Hochgebildeten, nicht irgendwann an einem Wendepunkt der Geschichte geschieht es, sondern in der Nähe der Kleinstadt Bethlehem beginnt die Geschichte des Christentums mit der Geburt Jesu.
Bethlehem, etwa eintausend Menschen wohnen dort. Ein wenig Handel, ein wenig Ackerbau, ein wenig Viehzucht. Zehn Kilometer vor den Toren Jerusalems, etwa 150 Kilometer von Nazareth entfernt. Die Häuser und Gehöfte liegen verstreut. Der Himmel ist sternenklar, einige wenige Feuerstellen brennen die ganze Nacht, geben Licht und Wärme, ansonsten ist es, wahrlich, kuhnacht.
Ein wenig vor der Kleinstadt sind auf den Feldern Hirten, oft Heranwachsende, manchmal auch Taugenichtse. Sie sind nicht in ihren Betten, sie müssen draußen ihren Dienst tun, das Vieh vor tierischen und menschlichen Feinden schützen. Nachtwachende Arbeiter, müde und erschöpft, wachsam und angespannt. Hören sie etwas? Sehen sie etwas? Droht Gefahr?
Ein Engel taucht in der Nacht aus dem Nichts auf, ein Mensch, der im Dunkeln leuchtet. Jetzt aber auf! Achtung! Mit großer Angst geht es los. Furcht liegt in der Luft. Den Angstschweiß kann man fast riechen.
Wir müssen uns die soziale Dimension klar vor Augen stellen, wenn wir die Weihnachtsgeschichte des Lukas hören. Das ist alles andere als romantisch, es ist ein dramatisches Trauerspiel, das sich in dieser Nacht ereignet. Hier, vor den Toren einer Kleinstadt, fernab von so vielen.
Die Botschaft ist klar: Gottes Wirken ist nicht abhängig von Bildung, Reichtum, Status, Macht. Sie beginnt bei Hirten, ungebildeten Landarbeitern, die ungeschützt draußen ihren Dienst tun. Ein finsteres Szenario, in jedem Fall. Hirten-romantik ist eine spätere Erfindung. Gott trifft Nachtarbeiter! Gott kommt in den Angstschweiß einer dunklen Nacht!
Die Botschaft, die der himmlische Engel den irdischen Hirten bringt, ist realistisch. Die Engel verkündigen keinen Umsturz aller Verhältnisse. Sie wissen: auf der Erde ist Gottes Macht begrenzt. Sie ist unbegrenzt nur in den Himmeln. Aber die gute Nachricht ist: Gottes Kommen ist stets verbunden mit Licht, Herrlichkeit, Freude. Die Botschaft der Engel in dieser Nacht geht einher mit dem Verschwinden von Angst und Furcht. Die dunkle Nacht wird hell. Der Angstschweiß verwandelt sich in Freudentränen. Einsame Landarbeiter rücken ins Zentrum: sie sind Gott wichtig. Mit ihnen beginnt Gottes Geschichte noch einmal ganz neu. Heilige Nacht!
Die helle Erscheinung bewirkt einen Aufbruch. Die Hirten können nicht einfach bleiben, wo sie sind, wie sie sind, was sie sind. Sie brechen auf, sie brechen aus. Aus ihrer kleinen Rolle auf einer Nebenbühne in die Hauptrolle auf der Weltbühne. Kleiner Mann ganz groß!
Diese Botschaft Gottes, verkündet durch einen, der einfach so neben nachtarbeitende und nachtwachende Menschen tritt, setzt Menschen in Bewegung. Unmittelbar: „Kommt, wir wollen gehen und sehen!“
Für diese Bewegung, diese Veränderung braucht es keinen Engel und keine himmlischen Heerscharen mehr. Nachdem die Engel verschwunden waren, die Hirten wieder ganz auf sich alleine gestellt sind, trauen sie dieser wundersamen nächtlichen Begegnung. Zumindest so weit, dass sie sich aufmachen und starten. Vom Feld ins Dorf, von den Schafen zu den Kühen: Gehen, um zu sehen! Ohne Vertrauen kein Aufbruch. Und so laufen sie los. Mitten in der dunklen Nacht.
Was aber genau wollen und sollen sie eigentlich sehen? Was genau ist ihnen versprochen und uns verheißen?
„Auf der Erde: Gottes Frieden! Frieden allen, die er liebt!“
Und so gilt es, seit damals, bis heute: Der Friede Gottes, nicht gebunden an irgendeine Vernunft, bewahrt uns, unsere Herzen und Sinne, macht aus Angstschweiß Freudentränen, in Jesus, dem Christus, dem Retter der hoffnungslosen Welt. Amen.